zurück

Wer ist Roy Raperpotz?

1. Roy Raperpotz und das verbotene Tor
2. Roy Raperpotz und das Orakel Guckifix
3. Roy Raperpotz und der Traum des Spartakus
4. Roy Raperpotz und die Schule Raperpotz

2. Roy Raperpotz und das Orakel Guckifix

Am nächsten Morgen gab sich Roy weniger Mühe, seine Strähne glattzukämmen. Er wußte nun, daß es eine Ursache dafür gab und er wußte nun auch, daß er ein Mitglied der königlichen Familie war. Nun ja. Aber welcher königlichen Familie eigentlich und was für ein Königreich sollte das sein? Voller Ungeduld wartete er den ganzen Tag darauf, daß Racket sich bei ihm melden würde, doch er ließ sich nicht blicken. Als ob gestern nichts geschehen war, verlief der Tag wie alle anderen. Selbst Direktor Finlox schien sich an nichts zu erinnern, denn er sprach ihn nicht auf seine noch immer zerzausten Haare an und verlor auch kein Wort über den gestrigen Abend im Pavillon hinter der Hecke. Roy wunderte sich sehr darüber und langsam begann er schon daran zu zweifeln, den gestrigen Tag überhaupt erlebt zu haben.

Doch als es zu dämmern begann und alle Kinder aus dem Garten ins Haus zurückgekehrt waren, hörte er von der Seite ein leises Miauen und er meinte zu hören, wie jemand seinen Namen rief. Erschrocken blieb er stehen und drehte sich um. Außer ihm schien niemand weiter diese Stimme gehört zu haben, denn alle Kinder liefen weiter und verschwanden im Haus, Roy stand ganz alleine im Garten. „Racket? Bist du das?“ fragte er vorsichtig ins Dunkel. Von der Seite kam Racket auf Roy zugesprungen. „Roy! Euer königliche Hoheit! Wir müssen uns beeilen.“ Dann schaute er Roy mit großen Augen an. „Wißt Ihr die Lösung des Rätsels?“ - „Ja, ich denke schon.“ - „Ja, ja. Ihr werdet es schon wissen. Schließlich seid Ihr ein Mitglied der königlichen Familie. Ihr seid Roy Raperpotz.“, antwortete Racket, seiner Sache völlig sicher. „Was ist das für eine Familie?“, fragte Roy wißbegierig. „Sind es meine Eltern? Leben meine Eltern noch?“ - „Hm. Naja. Das ist so eine Sache.“, antwortete Racket verlegen. Doch Roy wollte es nun endlich wissen. „Was ist das für ein Königreich? Du mußt das doch wissen.“ - „Naja. Das ist so eine Sache. Ich weiß es nicht.“ - „Wie meinst du das, du weißt es nicht. Du weißt doch auch, daß ich ein Mitglied der königlichen Familie bin.“ - „Ja, das schon. Aber in dieser Welt hier ist alles ganz anders. Hier weiß man nur, was man wissen muß, nicht mehr.“ - „Das verstehe ich nicht.“ - „Kommt mit und Ihr werdet verstehen, wenn wir durch das Tor gehen.“

Racket verschwand wieder hinter dem großem Busch am Ende der Hecke und Roy beeilte sich, ihm zu folgen. Im Pavillon legte er seine Pfote auf den Stein und schaute Roy mit erwartungsvollen Augen an. „Seid Ihr bereit, königliche Hoheit?“
„Ja.“, erwiderte Roy, fest entschlossen durch das Tor in diese geheimnisvolle Welt zu gehen. Die tiefe Stimme des Wächters ertönte. „Wer stört die Ruhe des Wächters des verbotenen Tores?“ - „Wir sind es, Racket und Roy Raperpotz.“ - „Ach, ihr seid es schon wieder.“, antwortete der Wächter sichtlich verärgert, wieder in seiner Ruhe gestört zu werden. „Habt ihr das Rätsel gelöst?“ - „Ich denke schon.“, erwiderte Roy, nun doch etwas unsicher. „Nun gut.“, erhob der Wächter wieder seine Stimme: „Nenn mir den Ort, zu dem die Menschen täglich ziehn. Nenn mir das Land, in das sie jede Nacht entfliehn, in dem sich jeder Wunsch erfüllt, in dem man nur mit Phantasie umhüllt. Es bringt in alle Kinderaugen Sand. Sag mir, was ist das für ein Land?“ Mit fester Stimme antwortete Roy dem Wächter des verbotenen Tores: „Ich weiß, welches Land es ist. Es ist das Land der Träume.“ - „Potz Blitz!“ ertönte die tiefe Stimme des Wächters. „Ja, das ist es. Genau. Das Land der Träume.“ Racket schaute mit großen Augen zu dem Wächter. „Wie? Ist es so einfach? Das Land der Träume? Das hätte ich auch gewußt.“ - „Ich habe nie gesagt, daß es schwierig ist. Doch nun hinweg mit euch. Ich habe noch andere Dinge zu tun. Aber denkt stets daran: Wer das Land der Träume hier betrat, wird brauchen einst des Wächters Rat...“ Die Stimme des Wächters wurde immer leiser, Roy konnte ihn kaum noch verstehen. „ ... denk stets an des Rätsels Lösung hier, das Hilfe bringen wird in Not zu dir...“

W
eiter vernahm Roy nichts mehr, denn die Fugen der Mauer begannen zu verschwimmen und wie durch einen Schleier hindurch sah Roy die Umrisse eines Weges, auf den Racket schon hinaufgesprungen war. Er folgte ihm und es begann eine phantastische Reise in eine Welt, die Roy schon oft in seinen Träumen gesehen, die er aber nie verstanden hatte.
Sie waren kaum durch das Tor gegangen, da verwandelte sich Racket in einen Jungen, etwas kleiner sogar noch als Roy, mit schwarzen Haaren und lustigen runden braunen Augen, die vor Freude strahlten, endlich wieder zu Hause zu sein. Er sprang lauthals singend in die Luft und ruderte mit seinen Armen, als ob er gleich abheben und in die Wolken fliegen wollte.
Neugierig schaute sich Roy um. Sie standen auf einem steinernen Weg mit herrlichen großen Bäumen zu beiden Seiten und die Luft duftete nach Frühling und Sonne. Weite Wiesen mit wunderschönen Blumen, die lustig in einer sanften Brise hin und her schwankten und miteinander zu spielen schienen, erstreckten sich bis zum Horizont. Eine Kutsche - nun ja, eigentlich war es eine Wolke, die die Gestalt einer Kutsche angenommen hatte - schwebte vor ihnen auf dem Weg und wartete nur darauf, sie durch dieses Meer der Phantasie, durch diese wunderbare Traumwelt zu tragen. Nur hinten, weit weg in der Ferne, stand eine Wolke am Himmel, die anders als all die anderen war, die dunkel und finster erschien, jedoch so weit weg war, daß keiner der beiden Jungen sie beachtete.

R
acket sprang noch immer vor Freude in die Luft. „Roy, wir haben es geschafft. Wir sind wieder zu Hause. Jetzt wird alles gut.“ - „Wo sind wir hier?“, fragte Roy verwirrt. „Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Doch ich kann mich nicht erinnern.“ - „Wie? Ihr wißt immer noch nicht, wo wir sind?“, fragte Racket erstaunt. „Nein.“, antwortete Roy. „Wie kann das sein? Wir sind zu Hause, Roy. Das ist Euer Land. Erkennt Ihr es nicht?“ Roy schüttelte traurig den Kopf. „Ich weiß es nicht mehr.“
Racket packte Roy am Ärmel und zog ihn zu der Kutsche. „Es ist noch schlimmer geworden als zuvor. Wir müssen sofort zu Guckifix.“ - „Guckifix?“, fragte Roy erstaunt. „Ja, unser Orakel Guckifix. Den kennt Ihr auch nicht?“ - „Nein.“, antwortete Roy traurig. „Aber den kennt doch jeder hier. Er ist das königliche Orakel. Ihr müßt ihn doch kennen!“ Racket konnte nicht glauben, daß Roy alles vergessen haben sollte. „Tut mir leid, Racket. Ich kenne ihn nicht.“ Nachdenklich schüttelte Racket mit dem Kopf. „Also gut. Kommt mit.“

Er machte sich nun ernsthaft Sorgen. Roy hatte wirklich alles vergessen. Er konnte sich so gut wie an nichts mehr erinnern. Sie stiegen in die Kutsche und Racket befahl der Wolke sie zu Guckifix zu bringen. Sie flogen den steinigen Weg entlang, vorbei an den majestätischen Bäumen, über riesige wunderschöne Wiesen, mit Blumen, die Roy noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte, und die Blumen lächelten ihnen freundlich zu und wiegten sich in der Sonne, die ihre herrlichen Farben zum Leuchten brachte, und Roy meinte zu hören, wie sie tuschelten, wenn ihre Kutsche ab uns zu in ihre Nähe kam. „Sieh nur, das ist Roy Raperpotz. Siehst du diese schwarze Strähne? Ja, er ist es. Wirklich? Ja, er ist es wirklich. Ah. Roy Raperpotz. Er wird den Regen besiegen. Meinst du? Ob er es schaffen wird? Ja er wird es schaffen, ganz sicher.“

Er verstand nicht, was sie meinten, noch nicht. Und so sah er fasziniert dem Drachen zu, der plötzlich vor ihnen auf einer Insel inmitten eines riesigen Sees Feuer spie, obwohl weit und breit niemand zu sehen war. Und sie flogen weiter über das Wasser, bis sie einen großen Dreimaster erblickten, auf dessen Bug ein Mann stand, der nachdenklich in die Ferne schaute.
„Wer ist das?“ wollte Roy wissen. „Das ist Kolumbus.“
Nur schwach konnte sich Roy an die Geschichtsstunden in St. Jones erinnern und an einen Mann namens Christoph Kolumbus. Doch es wollte es ihm nicht einfallen. So fragte er Racket: „Wer ist Kolumbus?“
„Kolumbus ist ein Mann mit großen, wunderbaren Träumen. Er fährt über das weite Meer, um einen neuen Seeweg nach Indien zu finden. Nur die besten Schüler dürfen ihm seine Träume bringen.“ Fasziniert blickte Roy auf Schiff und Mann, bis sie langsam am Horizont verschwanden.

Sie flogen nun über einen Wald, der soeben noch grüne Blätter hatte und im nächsten Augenblick in den prächtigsten Farben des Herbstes erstrahlte, bis er alle seine Blätter abwarf und wenige Augenblicke später wieder zu grünen begann. In diesem Wald saß ein Riese auf einem Stein und überragte den Wald um Kopfeshöhe. Er grüßte höflich, als Racket ihm einen guten Tag wünschte, doch schien er irgendwie bedrückt zu sein, denn sein Gesicht war traurig und seine Augen müde. „Warum ist dieser Riese so traurig?“ fragte Roy. „Das macht der Regen. Er drückt uns alle nieder.“ Roy hatte schon bemerkt, daß der gesamte Wald unter Wasser stand. Auch die Füße des Riesen waren von Wasser bedeckt. „Was ist das für ein Regen?“ fragte Roy weiter. Doch noch bevor Racket antworten konnte, flog die Kutsche mitten auf einen Berg zu. Roy glaubte schon, sie würden an der Felsenwand zerschellen, da öffnete sich die Wand vor ihnen und gab den Weg in einen langen Tunnel frei. Roy spürte die Kälte des Felsen um ihn herum. Er konnte nichts mehr sehen. Es war stockfinster. Plötzlich erschien ein gleißendes Licht am Ende des Tunnels und die Kutsche schoß wieder aus dem Berg heraus auf eine Lichtung hoch oben auf dem Berg. Zwischen all den Gipfeln war es ruhig und friedlich. Die Kutsche hielt auf einem Weg, der zu einem seltsamen Gebilde führte. Dann begann sie sich plötzlich in lauter kleine Wölkchen aufzulösen. Roy und Racket mußten schnell hinaus springen, um nicht auf den Hosenboden zu fallen.

R
acket lief munter den Weg entlang. „Kommt schon, Roy! Wir müssen dort hinauf.“ Sie gingen mit vielen kleinen Wolken zwischen ihren Füßen zu jener seltsamen Gestalt, die, je näher sie kamen, einer riesigen Uhr immer ähnlicher wurde. Doch konnte Roy keine Zeit ablesen, denn nirgendwo war ein Zeiger zu entdecken, was ihn sehr wunderte. „Was ist das für eine seltsame Uhr, an der man keine Zeit ablesen kann?“ fragte er. „Das ist die Uhr des Guckifix.“ lautete die Antwort. „Die einzige Uhr im ganzen Land der Träume. Sie zeigt keine Zeit, weil für jeden in seinen Träumen die Zeit anders verläuft. Für einen schneller, für den anderen langsamer. Hattet Ihr noch nie dieses Gefühl, wenn Ihr träumtet?“ - „Doch, irgendwie schon.“, mußte Roy zugeben. „Aber wozu nützt eine Uhr, wenn man keine Zeit darauf ablesen kann?“ - „Nur Guckifix kann an dieser Uhr die Zeit lesen. Er ist unser Orakel. Nur er weiß es.“ antwortete Racket ernst.

Sie waren schon fast an der großen Uhr angekommen, als plötzlich eine leise, quieksende Stimme ertönte. “Au! Du Tolpatsch! Paß doch auf, wo du hintrittst!“ Roy sprang erschrocken zur Seite. „Könnt ihr denn nicht aufpassen, wo ihr lang geht mit euren großen Füßen!“ Es war eine kleine Wolke. Roy war nichtsahnend durch sie hindurchgetreten wie vorher durch die Wölkchen, die von der Kutsche übriggeblieben waren. Aber dieses hier war anders. „Entschuldige bitte, ich wußte nicht, daß ich dir weh tue.“ - „Papperlapapp, Entschuldigung. Ist das vielleicht ein Art, durchs Leben zu gehen? Mach doch deine Augen auf! Was wollt ihr eigentlich hier?“ - „Wir suchen Guckifix. Weißt du, wo er ist?“ - „Was wollt ihr denn von ihm? Ihr Dreikäsehoch.“ - „Das geht dich gar nichts an.“ antwortete Racket frech dem seltsamen Wölkchen. - „Oh, ihr wollt mir nicht sagen, was ihr von ihm wollt? Bitte sehr. Ihr Geheimniskrämer. Dann könnt ihr lange suchen. Von mir jedenfalls werdet ihr nichts erfahren.“ Aus dem Inneren der Uhr ertönte eine freundliche, jedoch auch strenge Stimme: „Schluß jetzt, Schössel. Laß die Jungen rein.“

Widerwillig öffnete das Wölkchen mit dem Namen Schössel die Tür zur Uhr und babbelte dabei mißgelaunt vor sich hin. „Diese Lümmel wollen mir nicht sagen, was sie wollen. Diese Dreikäsehoch. Denen werde ich’s noch zeigen.“
Als Roy die Uhr betrat, wurde der Innenraum größer und größer und bald standen sie in einem gemütlichen und geräumigen Zimmer. An jeder Wand hingen Zahnräder, und überall waren tickende Instrumente zu sehen. An der Hinterwand war eine Waage befestigt, vor der ein alter Mann stand, der eifrig bemüht war, glitzernde Sterne auf eine Seite der Waage zu schütten. Er hatte einen weißen Bart, der fast bis auf den Boden reichte. „Komm herein, Roy Raperpotz.“ winkte er Roy zu, ohne sich dabei umzudrehen. „Ich habe schon auf dich gewartet. Morella sagte mir, daß du bald kommen würdest.“ - „Sie kennen Morella?“ fragte Roy erstaunt. „Oh, ja, natürlich kenne ich sie. Und du wirst sie auch bald wiedersehen, aber setz dich doch und dein Freund Racket auch.“ Racket wurde ganz verlegen. „Meister Guckifix, ich habe ihn hier hergeholt, zurück nach Traumania, so wie Ihr es mir aufgetragen habt. Aber wir haben ein Problem: Er kann sich an nichts erinnern.“ - „Ich weiß, mein Freund. Es ist nicht deine Schuld, daß er sich an nichts erinnern kann. Es ist dieser Regen.“

Guckifix hatte nun wohl genug Sterne auf die Waage gelegt, denn sie bewegte sich nicht mehr. Zufrieden drehte er sich zu den beiden Jungen um. „Weißt du, wer du bist?“ fragte er Roy. Der antworte traurig: „Nein. Ich wohne im Waisenhaus St. Jones, weil meine Eltern tot sind. Ich weiß nicht, wer sie waren. Ich weiß nicht, wer ich bin.“ - „Weißt du, wo du bist?“ fragte Guckifix weiter. „Im Land der Träume?“ meinte Roy vorsichtig. „Ja, im Land der Träume.“ erwiderte Guckifix. „In deinem Reich. Es ist dein zu Hause. Mit vielen Untertanen und fleißigen Helfern. Das ist dein Reich und das Königreich deiner Familie.“ - „Aber warum weiß ich dann nichts davon? Nichts von meiner Familie, nichts von meinen Eltern?“ wollte Roy sehr aufgeregt wissen. „Es begann vor einiger Zeit, da kam ein fürchterlicher Regen von den Grenzen unseres Reiches und begann, alle Träume hinwegzuwischen. Niemand wußte woher und niemand wußte warum. Dein Vater schickte seine besten Männer gegen diesen Regen, doch alle, die ihn erreichten, vergaßen, was sie tun sollten, vergaßen alles um sich herum und vergaßen schließlich sogar sich selbst.

Der Regen kam immer näher und stand kurz vor den Mauern der königlichen Stadt. Eines Tages kam er über die Mauern in den königlichen Garten und du, mein Junge, bist hinein geraten in diesen Regen und alle Erinnerungen begannen zu schwinden. Fast wärst du geworden wie viele andere. Weißt du Roy,...“ Er berührte sanft sein Haar. „... diese Strähne in deinen Haaren hast du seit jenem Tag. Der Regen hat die Farbe und alle Erinnerungen herausgewaschen. Doch deine Eltern haben dich gefunden, bevor es zu spät war und haben dich in diese Welt dort draußen gebracht. Sie haben dich versteckt vor dem großen Regen, bis die Zeit kommen wird, sich ihm entgegen zu stellen. Und diese Zeit ist jetzt gekommen, mein Junge.“ - „Wo sind meine Eltern jetzt?“, fragte Roy, begierig, mehr über seine Familie zu erfahren. „Deine Eltern sind noch immer in der anderen Welt. Doch je länger sie weg sind aus unserem Land, um so mehr vergessen sie und um so leichter hat es der Regen, alle verbleibenden Erinnerungen zu verwischen. Du mußt dich beeilen, um sie zu retten.“ - „Aber wie soll ich das tun?“ - „Du mußt den heiligen Somnel finden. Nur dann kannst du den Regen besiegen. Nur dann kannst du deine Eltern retten.“ - „Was ist denn der heilige Somnel?“

Roy hatte noch nie davon gehört. „Der heilige Somnel ist der glitzerndste und schillerndste Traum, den es gibt in unserem Land. Er ist es, wonach sich alle Menschen sehnen. Seine Macht kann alles und jeden besiegen.“ - „Aber wo finde ich denn diesen Somnel?“ fragte Roy unglaublich aufgeregt. „Ich weiß es nicht, mein Junge. Sotalex ist der Hüter des heiligen Somnel. Zu ihm mußt du finden in deinen Träumen, ihn wirst du sehen, wenn dein Herz rein und dein Geist klar ist. Wenn du den Menschen ihre Träume zurückbringen kannst, wirst du ihn finden.“ - „Aber wie soll ich den Menschen ihre Träume bringen? Ich weiß nicht, wie das geht.“ Guckifix schüttelte nachdenklich sein weißes Haupt. „Dann mußt du es lernen. Und du mußt dich beeilen, Roy.“ - „Aber wie soll ich es lernen und wo? Ich verstehe doch nichts davon.“ - „Es gibt noch eine Schule. Eine einzige wurde verschont. Bei ihr konnte der Regen noch nicht sein fürchterliches Werk vollbringen. Es ist eine ganz besondere Schule. Es ist die Schule Raperpotz.“ - „Aber das ist ja ...“ fiel Roy Guckifix ins Wort. „Ja, Roy. Du trägst den gleichen Namen wie diese Schule. Dort mußt du hin und lernen. Du mußt dich beeilen. Wir haben nicht mehr viel Zeit.“ -

Wie soll ich dorthin finden? Ich weiß doch nicht, wo diese Schule ist.“ - „Schössel wird euch begleiten. Sie wird euch zeigen, wo sie ist und sie wird euch helfen, den Somnel zu finden.“ - „Was ich? Wieso ich?“ empörte sich Schössel von der Seite. „Wieso muß ich denn mit, mit diesen zwei halben Portionen?“ - „Sie werden deine Hilfe brauchen, Schössel. Also benimm dich.“ - „Die werden es doch nie schaffen. Ich will nicht mit. Ich will lieber hierbleiben.“ - „Du gehst mit. Keine Widerrede. Und jetzt legt euch hin und schlaft. Ihr habt morgen einen weiten Weg vor euch.“ Widerwillig flog Schössel hinter eines der großen Zahnräder und schloß die Augen. „Immer muß ich den Karren aus dem Dreck ziehen. Warum nur immer ich?“ Doch Roy hörte sie schon gar nicht mehr. Zu aufregend war dieser Tag und zu müde war er jetzt. Doch nun hatte er endlich etwas über seine Eltern, über sich selbst erfahren. Und voller Erwartungen an den nächsten Tag schlief Roy neben Racket in dem großen Himmelbett ein, das Guckifix auf dem Boden der Uhr aufgeschlagen hatte.

Copyright by Tiras Rapkeve, Januar 2001
Tiras-Rapkeve@gmx.net

zurück

Der Erzähl-Club mehr von Roy

© Copyright 2001 by JADU

www.jadukids.de