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Wer ist Roy Raperpotz?

1. Roy Raperpotz und das verbotene Tor
2. Roy Raperpotz und das Orakel Guckifix
3. Roy Raperpotz und der Traum des Spartakus
4. Roy Raperpotz und die Schule Raperpotz

3. Roy Raperpotz und der Traum des Spartakus

Roy mußte plötzlich niesen. Irgendetwas stieg ihm in die Nase. „Hatschie!“ nieste Roy wieder. „Hatschie! Hatschie!“ Doch Schössel gab nicht auf. Sie schwebte über seinem Gesicht und kitzelte dabei unaufhörlich seine Nase. „Los, Los! Raus aus den Federn ihr Schlafmützen. Die Sonne steht schon weit oben am Himmel.“ Racket drehte sich noch einmal um und gab nur undeutliche Wortfetzen von sich. „Hm? Aufstehen? Mitten in der Nacht? Noch eine halbe Stunde.“ mit diesen Worten vergrub er sich wieder unter seiner Decke. Doch er hatte nicht mit Schössels Hartnäckigkeit gerechnet. Sie schwebte über den beiden und preßte sich so fest zusammen, daß sich eine ordentliche Portion Wasser auf die Jungen entleerte. Völlig durchnäßt sprangen die beiden erschrocken aus ihren Betten. „Was soll das, Schössel? Wir kommen doch schon!“

Wir müssen uns beeilen.“, erwiderte Schössel mißgelaunt. „Wir haben einen weiten Weg vor uns. Also los, ihr Langschläfer. Meister Guckifix ist schon in den Bergen, um neue Sterne einzusammeln und ihr verschlaft den ganzen Tag.“ Schnell aßen die beiden Jungen etwas Obst, das für sie auf dem Tisch lag, sprangen dann eilig auf und folgten Schössel nach draußen, wo bereits ihre wundersame Kutsche zur Abfahrt bereitstand. Sobald sie eingestiegen waren, erhob sich die Kutsche in die Höhe und flog dem fernen Ziel entgegen, das eigenartigerweise den selben Namen trug wie Roy.

Soviel hatte Roy in den letzten beiden Tagen erlebt, das Tor im Garten des Waisenhauses St. Jones, welches ihm nun schon so weit weg vorkam, diese wunderbare Welt hier mit Riesen in seltsamen Wäldern, mit Drachen und kleinen Wolken, die sprechen konnten, einem Orakel namens Guckifix, der die Zeit an einer Uhr ohne Zeiger mißt und der ihm von seinen Eltern erzählte und von einem heiligen Somnel, den er finden sollte, um seine Welt zu retten, von der er bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal wußte, daß sie existierte. So viel Neues hatte er erlebt, daß ihn nun gar nichts mehr zu überraschen schien, nicht einmal die Heerscharen von Soldaten in römischen Gewändern, die plötzlich vor ihnen auftauchten. So weit das Auge reichte, standen sie in Haufen zum Kampf bereit. Ihnen gegenüber sah Roy viele zerlumpte Gestalten mit zersprengten eisernen Fesseln an ihren Händen und Füßen. Geschunden sahen sie aus mit ihren in Fetzen gehüllten Körpern. Und obwohl einige wenige von ihnen auch recht gut gekleidet waren, so sah Roy doch auch in ihren Gesichtern das Leid und den Schmerz der Gefangenschaft. Aber er sah auch Stolz in ihnen und Entschlossenheit, für ihre Freiheit zu kämpfen und auch für sie zu sterben.

Vor dieser seltsamen Menge stand ein Mann, nicht größer oder kräftiger, aber doch noch stolzer und noch entschlossener als all die anderen. Als sich die Kutsche den zerlumpten Menschen näherte, verstand Roy den Namen, den die Männer ununterbrochen riefen: „Spartakus, Spartakus!“ Es hallte weit über das Land: „Spartakus, Spartakus!“ Die römischen Soldaten schienen zu erzittern bei dem Widerhall dieses Namens, denn sie sahen nun noch kleiner und erbärmlicher aus als zuvor und Angst stand ihnen ins Gesicht geschrieben, als sich die Menge in Bewegung setzte.

Roy sah, wie von Spartakus ein seltsames Licht ausging. Ein seltsames und wunderbar leuchtendes Licht, so wie das Leuchten der Sterne auf Guckifix Waage. Es erstreckte sich über das gesamte Feld und tauchte alles um sich in ein gleißendes Feuer. Und dann - wie von einem Blitz getroffen - leuchtete Spartakus noch heller und noch intensiver. Er strahlte weit und blendend über das Feld. Und - ja, tatsächlich - da kam noch ein Blitz von weit oben auf ihn herab geschossen. Direkt aus dem Himmel, wie Roy glaubte. Doch als er nach oben blickte und die Augen fest zusammenkniff, sah er dort einen Jungen durch die Luft schweben, der immer näher kam und unheimlich schnell zwischen all den Menschen umherflog. Dabei schoß er mit einem seltsamen Gerät diese Blitze ab. Es war eine Art Kugel, die im Licht der Sonne funkelte. Doch so genau konnte Roy es gar nicht sehen, denn dieser Junge trug einen silbernen Mantel, der ihn fast vollständig verhüllte und aus dem Staub wie Sterne auf alle die Menschen unter ihm fiel.

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ufgeregt schaute Roy diesem Treiben zu. So etwas hatte er noch nie gesehen. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er so etwas eigenartiges erlebt. Was tat dieser Junge dort nur, inmitten dieser vielen Menschen? Niemand schien ihn zu bemerken, niemand schien ihn wahrzunehmen. Er flog durch sie hindurch und verstreute seinen Zaubersand und feuerte seine Blitze ab, die jedoch nur Spartakus trafen. Doch irgendetwas schien nicht zu stimmen, denn Roy sah, wie die Soldaten und Sklaven noch wütender und zorniger wurden und wild aufeinander losstürmten. „Was ist dort los?“ rief Roy aufgeregt. Ohne die Augen von dem Spektakel zu lassen, antwortete Racket. „Das ist Spartakus, der Führer der Sklaven. Er führt sie gegen die römischen Legionen.“ - „Jaja, ich kenne Spartakus aus der Schule. Er kämpft für die Freiheit, für seine eigene und für die aller Sklaven. Aber wer ist dieser Junge, der zwischen all den Menschen herum fliegt und diese Blitze abfeuert?“ - „Ich weiß nicht, wer das ist, aber es muß jemand aus der Schule sein.“ Racket wurde sehr nachdenklich. „Hm! Normalerweise darf niemand aus der Schule in diesem Landesteil träumeln.“ - „Träumeln?“ Roy riß neugierig die Augen auf, da er dieses Wort noch nie gehört hatte. „Ja, träumeln. Ihr wißt nicht, was träumeln ist?“ - „Nein.“ - „Oh, entschuldigt bitte. Ihr habt ja alles vergessen. So nennen wir es, den Menschen ihre Träume zu bringen.“ - „So werden den Menschen ihre Träume gebracht?“ Roy war sehr beeindruckt. „Nun ja. Irgendwie schon.“ Roy merkte, daß Racket sehr nervös wurde. „Ich weiß auch nicht genau. Ehrlich gesagt habe ich so etwas auch noch nie gesehen.“

Racket hatte schon öfter versucht, in eine der Schulen Traumaniens aufgenommen zu werden. Liebend gern würde er das Träumeln lernen. Doch bisher hatte er nie die Aufnahmeprüfungen bestanden. So sehr er sich auch bemühte, so sehr er sich auch endlich zu träumeln wünschte - jedesmal war er durchgefallen. Doch nun hatte er eine Gelegenheit bekommen, mit seinem guten Freund Roy Raperpotz die beste Schule in ganz Traumanien zu besuchen und er freute sich darauf, auch wenn er jetzt schon wieder Angst vor dieser verflixten Aufnahmeprüfung spürte. Aber er wußte auch, diesmal war alles ganz anders. Diesmal hatte er den besten Träumler an seiner Seite. Das wußte er und dieses Selbstvertrauen verleitet ihn dazu, so zu tun, als ob er schon alles wußte, was Roy natürlich sofort bemerkte. Doch es störte ihn nicht weiter und Racket dachte nun auch nicht mehr an die Aufnahmeprüfung, sondern schaute dem Treiben vor ihnen zu. Spartakus stürmte mit seinen Sklaven auf die Römer zu und das Licht, welches immer intensiver von ihm ausstrahlte, verwandelte das gesamte Schlachtfeld in ein riesiges Feuermeer. Schössel hatte sich ganz klein gemacht und war in Roy’s Rucksack verschwunden. Von dort schaute sie vorsichtig mit einem Auge hervor. „Irgendetwas stimmt hier nicht.“ flüsterte sie leise.

Wie meinst du das, Schössel?“ - „So wird nicht geträumelt.“ Roy sah Racket fragend an, doch der zuckte nur mit den Schultern. Dann wand er sich wieder Schössel zu. „Woher weißt du das, Schössel?“ - „Ich weiß es eben.“ Und obwohl Roy noch keine Ahnung vom Träumeln hatte, so fühlte er doch, daß hier irgendetwas nicht richtig war. Er konnte es nicht beschreiben. Etwas in seinem Inneren, etwas, das er noch nicht verstand, gab ihm dieses Gefühl. Roy sah, wie Spartakus mit jedem Blitz, den er erhielt, sein Gesicht seltsam verzog und wütend und voller Hast nach vorn stürmte. Schnell lenkte Roy die Kutsche zwischen den Jungen und Spartakus und fing den nächsten Blitz mit der Kutsche ab. Nichts passierte. Die Kutsche vibrierte kurz und wurde dann wieder ruhig. Schössel hatte sich nun ganz hinter Roy’s Rücken versteckt. Noch einmal schoß der Junge einen Blitz von sehr weit oben ab. Doch auch dieser verpuffte in der Wolkenkutsche und erreichte Spartakus nicht.

Der Junge mit dem seltsamen silbernen Mantel kam nun selber wie ein Blitz vom Himmel geschossen und stoppte scharf vor ihnen. Racket fiel vor Schreck nach hinten. Roy stand fest in der Kutsche und spürte, wie der Wind ihm scharf ins Gesicht wehte. Er stand fest und hatte keine Angst, auch wenn der Junge ihn mit stechenden und bösen Augen ansah. „Was fällt dir ein, mein Träumeln zu stören?“ - „Es ist nicht richtig, was du da machst.“ antwortete Roy mutig. „Wer bist du, daß du mir sagst, was richtig ist?“ - „Ich weiß zwar nicht, was du da machst, aber ich sehe, daß es falsch ist. Wozu läßt du diese Menschen so wütend gegeneinander kämpfen?“ - „Es ist ihre Bestimmung, zu kämpfen.“, antwortete der Junge grimmig und fügte scharf hinzu: „Ich frage dich noch einmal: Wer bist du, daß du unsere Regeln brichst und mich beim Träumeln störst?“ Mit diesen Worten holte er aus und wollte schon einen fürchterlichen Blitz aus seiner Kugel abfeuern. Doch als er Schössel sah, die vorsichtig hinter Roy’s Rücken hervorschaute, beherrschte er sich. Roy merkte, daß es ihm sehr schwer fiel. „Du hast Glück, du Wicht, daß Guckifix’s Schoßhündchen bei dir ist, sonst würde ich dir zeigen, was es heißt, das Träumeln eines anderen zu stören. Sieh zu, daß sich unsere Wege nicht noch einmal kreuzen.“ Er schwang sich in die Lüfte und verschwand in Richtung Berge.

Racket hatte sich wieder aufgerappelt und stand nun neben Roy. „Was war das denn?“ - „Ich weiß nicht. Er ist verschwunden.“ - „Was hat er gesagt?“ - „Er war sauer, weil ich ihn beim Träumeln gestört habe und er meinte, ich hätte eine wichtige Regel gebrochen.“ - „Ja, ich glaube, das stimmt. Ich habe davon gehört. Man darf sich nie in das Träumeln eines anderen einmischen. Man kann einem Menschen andere Träume schicken, aber man darf sich nie bei einem anderen Träumler einmischen.“ - „Aber sein Träumeln war falsch! Hast du nicht gesehen, wie wütend die Menschen waren?“ - „Ja, habe ich. Aber aus irgendeinem Grunde darf man es nun mal nicht. Wenn Ihr aber selber träumeln könntet, dann hättet Ihr Spartakus einen anderen Traum bringen können.“ - „Wir müssen das Träumeln lernen, Racket. Unbedingt.“ - „Ja, wenn wir ankommen würden eines Tages. Aber ich fürchte fast, Schössel kennt den Weg nicht.“ Schössel, nun wieder mutig, hörte natürlich diese Bemerkung und empörte sich sofort. „Ihr werdet noch früh genug ankommen, ihr Dreikäsehoch. Dann werdet ihr zeigen können, was für Kerle ihr seid.“ Sie schwebte beleidigt ganz nach vorn und die Kutsche setzte sich wieder in Bewegung.
Auf dem Feld unter ihnen war es friedlich und ruhig. Ganz plötzlich waren alle römischen Soldaten und auch Spartakus Mannen verschwunden. Nur eine saftige grüne Wiese war zu sehen, als ob hier nie etwas gewesen wäre. Roy ahnte: Spartakus war aufgewacht. Racket nickte ihm bedeutungsvoll zu. „In ihm habe ich einen guten Freund,“ dachte Roy. Er reichte Racket die Hand und sagte: „Laß von jetzt an dieses „Euch“ und „Ihr“, wir wollen „du“ zueinander sagen.“ Diese hohe Ehre nahm Racket gerne an.

Die Kutsche flog nun weiter einem fernen Ziel entgegen, über endlose Wiesen, über Stock und Stein, über Wälder und über schier uferlose Meere. So lange waren sie unterwegs, daß Roy nun auch zu zweifelte begann, ob Schössel den richtigen Weg kannte. Aber als sie wieder eine dieser wunderschönen Wiesen überflogen, schrie Schössel plötzlich auf. „Dort ist er! Dort unten!“ Roy schaute hinunter und sah nichts außergewöhnliches, nun ja zumindest kein besonderes Gebäude oder etwas in der Art, das die Schule Raperpotz sein könnte. Auf einer saftigen grünen Wiese graste friedlich ein schwarzer Hengst. Dieser Hengst war allerdings außergewöhnlich. In seinem ganzen Leben hatte Roy noch nie ein so schönes Pferd gesehen. Sein wunderschönes schwarzes Fell glänzte in der Sonne und seine Mähne schien majestätisch bis in den Himmel zu wehen. Stolz trabte er über das Gras und stoppte, als er die Kutsche sah. Roy und Racket sprangen heraus und folgten Schössel, die bereits aufgeregt vor dem Hengst stand und mit ihm redete. „Ehrwürdiger Tarkan! Endlich haben wir Euch gefunden.“ - „Ich grüße auch dich, seltsam anmutendes Wölkchen. Sag mir dein Begehren.“ - „Meister Guckifix schickt mich, um Euch diese beiden Schüler zu bringen.“ - „Sind sie es würdig, die Schule Raperpotz zu besuchen?“ - „Es sind Roy Raperpotz und sein Freund Racket, die Einlaß erbitten.“ Tarkan musterte einen Augenblick die beiden Jungen, dann verschränkte er seine Vorderbeine und öffnete seinen Mund, der seltsamerweise immer größer und größer wurde, bis bequem ein Mensch hindurchpaßte. Schössel schwebte gleich hinein, die beiden Jungen aber standen noch staunend vor Tarkan. „Kommt schon, ihr Schlafmützen. Tarkan kann nicht ewig seinen Mund aufhalten.“

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oy tat ungläubig einen Schritt auf den Rappen zu. Er sah in seine feurigen Pferdeaugen, die ihm freundlich zuzwinkerten. Dann faßte er allen Mut zusammen und sprang hinein. Racket folgte ihm. Sobald sie in Tarkan verschwunden waren, schloß dieser seinen Mund und das Tor hinter ihnen verschwand. Sie standen inmitten eines Pferdes, doch es war nicht dunkel. Ein sanftes, weiches Licht umgab sie. Aber sonst konnte Roy nichts weiter sehen. Schössel war schon in der Ferne verschwunden. Roy hörte sie kaum noch: „Kommt schon und trödelt nicht so. Wir müssen weiter.“ - „Aber wohin?“ schrie Roy ihr nach. „Was denn? Du weißt immer noch nicht, wohin?“ - „Ich kann nichts sehen.“ Schössel kam zurück und hielt direkt vor Roy. „Oh, ja. Ich weiß schon, warum. Ihr mußt an euch selbst glauben und an die Schule Raperpotz. Ihr müßt daran glauben, daß sie hier ist, nur dann kann es funktionieren. Öffnet eure Herzen.“ Roy legte seine Zweifel ab und sah plötzlich den Schimmer einer Brüstung und hörte ferne Stimmen. Und als er ganz fest daran glaubte, erschien die Schule Raperpotz in ihrer ganzen Pracht vor ihm, umgeben von einem See, auf dem lustig Wasserrosen tanzten. Ein Brücke schwebte über der Wasseroberfläche und wies ihnen den Weg zur Schule.

Wohin gehst du, Roy?“ fragte Racket, als er die Brücke betreten wollte. Er konnte noch immer nichts sehen. „Schließe deine Augen und höre auf dein Herz, Racket. Glaube an das Unmögliche.“ Und als er dies tat, hörte auch er die Stimmen vor ihm, und als er die Augen wieder öffnete, sah auch er, was vor ihnen lag: Ein riesiges Schloß mit großen Türmen und breiten Flügeln. Die Mauern bestanden nicht aus gewöhnlichen Steinen, sondern waren aus einem seltsamen gläsernen durchscheinenden Material. Roy konnte bereits von weitem in den Innenhof schauen. Beide Jungen liefen voller Staunen über die Brücke, denn in dem See war kein Wasser, sondern glitzernder Zauberstaub, der funkelte und leuchtete. Roy meinte zu hören, wie die Wasserrosen auf der Oberfläche ständig etwas murmelten. „Raperpotz. Roy Raperpotz! Sieh nur. Da kommt er endlich. Roy Raperpotz. Er ist da.“

Jetzt verstand Roy, warum diese Schule vor dem Regen sicher war. Tarkan war ihr Beschützer, ihr wachsames Auge. Er war pfeilschnell, schneller als der Wind und schneller als jeder Regen. Und da sich die Schule Raperpotz in seinem Inneren befand, war auch sie sicher, so dachte Roy damals zumindest.

Die beiden Jungen standen nun vor dem Tor, das sich öffnete und krachend hinter ihnen zufiel. Schössel hatte sich wieder klein gemacht und war in Roy’s rechter Hosentasche verschwunden. Der Hof des Schlosses war mit hektisch umherlaufenden Kindern übersät. Überall wurde laut geredet und getuschelt. Alle schienen sehr beschäftigt zu sein und keiner nahm so richtig Notiz von den beiden
Neuankömmlingen. Roy merkte schnell, daß etwas nicht stimmte. Irgendetwas mußte passiert sein. Mitten unter den wild diskutierenden Kindern stand eine Frau mit grauen wallendem Haar. Roy erkannte sie sofort. Es war Morella, die die beiden nun bemerkte und begrüßte. „Komm ruhig näher Roy. Wir haben schon auf dich gewartet, wenn auch nicht gerade heute.“ Dann richtete sie sich an alle Schüler im Hof: „Ich freue mich, euch einen ganz besonderen Schüler vorstellen zu dürfen. Komm her Roy!“ Ein Raunen ging durch die Reihen der Schüler. „Ja, er ist es wirklich. Siehst du die Strähne in seinen Haaren? Es ist Roy. Roy Raperpotz.“

Alle Kinder drehten sich nach Roy um und einige winkten ihm freundlich zu. Aber er sah nicht nur fröhliche Gesichter. Ein paar von ihnen schauten sehr dunkel drein. Unter ihnen erkannte Roy sofort den Jungen von heute Morgen. Morella sah auch in diese Richtung und sagte scharf:. „Greg Haport. Wir werden uns morgen weiter unterhalten. Um 8 Uhr in meinem Zimmer.“ Dann wendete sie sich wieder an die beiden Jungen: „Es tut mir leid Roy, aber ich muß mich jetzt um andere Dinge kümmern. Irgendjemand hat einen falschen Traum an Spartakus geschickt, einen sehr beunruhigenden falschen Traum. Irgendjemand - ich kann mir schon denken, wer es war - hat falsch geträumelt, obwohl es verboten ist. Ich werde jetzt selber den Schaden beheben müssen.“ Dann winkte sie einem Mädchen zu, das nicht weit entfernt von ihnen stand und Roy schon die ganze Zeit seltsam anlächelte. „Romy wird euch zeigen, wo ihr heute nacht schlafen werdet und morgen lernt ihr die Schule Raperpotz kennen.“ Mit diesen Worten warf sie sich einen goldenen Mantel über, murmelte ein paar unverständliche Worte verschwand.

Als Roy noch einmal zur Seite blickte, sah er, wie Greg ihn mit grimmigem Blick musterte, sich dann umdrehte und mit zwei anderen Jungen ins Haus ging. Romy zog Roy am Ärmel: „Laß dich bloß nicht mit dem ein, Roy!“ - „Was?“ - „Greg Haport. Laß dich ja nicht mit dem ein. Wie ich hörte, hat er die Schule Raperpotz schon oft in Schwierigkeiten gebracht.“ Dann lächelte sie und zog Roy noch stärker am Arm: „Ich freue mich so, daß du wieder da bist. Kennst du mich denn noch?“ Roy kannte sie zwar nicht, doch spürte er sofort eine enge Vertrautheit, die er nicht erklären konnte, die ihm jedoch sehr gefiel. Deshalb antwortete er ihr freundlich. „Ja, irgendwie schon. Es ist nur...“ Racket half ihm: „Er kann sich an nichts erinnern, Romy. Laß ihm noch ein bißchen Zeit.“
Romy führte die beiden ins Schloßinnere und zeigte ihnen ihre Zimmer. „Hier werden wir schlafen. Ich hoffe, für längere Zeit. Wir müssen gut aufpassen in den nächsten drei Tagen. Am vierten Tag ist die Aufnahmeprüfung und wie ich hörte, ist die nicht leicht hier in Raperpotz.“ - „Erinnere mich bloß nicht daran!“ stöhnte Racket. Roy war zu müde, um sich genauer im Zimmer umzusehen. Sobald er sich seine Zähne geputzt und sich gewaschen hatte, fiel er ins Bett, zog sich seine Decke weit über den Kopf und schlief sofort ein.

Copyright by Tiras Rapkeve, Januar 2001
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