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Die Früchte der Erde

Die Früchte der Erde sind für den Menschen von jeher von äußerster Wichtigkeit gewesen. Brot, Fleisch, Fische, Früchte und Gemüse, die Grundstoffe unserer heutigen Mahlzeiten, haben bereits den ältesten Menschen zur Nahrung gedient. Selbst im Zeitalter des Atoms sind diese grundlegenden Nährstoffe nicht durch andere ersetzt worden, und wir können zur Lösung unserer Wirtschaftsprobleme weder Nektar und Ambrosia noch eine Wunderpille in unseren modernen Laboratorien herstellen. Unsere Welt ist inzwischen nur kleiner geworden, und mehr denn je stellt die Menschheit trotz aller ihrer Kämpfe eine einzige Familie dar, deren Mitglieder alle voneinander abhängig sind. Es ist festgestellt worden, daß weniger als ein Siebentel der Erdoberfläche zur Hervorbringung menschlicher Nahrung geeignet ist — und das bei der geschätzten gegenwärtigen Gesamterdbevölkerung von etwa 6,200 Millionen Menschen.

Wenn heute die Dürre die Weizenfelder Argentiniens oder Kanadas und die Reisernten von Burma und Siam vernichtet oder eine Seuche die Rinderherden der fleischausführenden Länder zerstört, so bedroht das Gespenst des Hungers alle Kontinente, genau so wie einst die Stammesregionen der Naturvölker von bitterster Not betroffen wurden, wenn die Büffelherden sich aus der Prärie zurückzogen, wenn die Karibus die Jagdgründe der kanadischen Indianer mieden, wenn in trockenen Jahren das Ausbleiben der fruchtbaren Nilüberschwemmungen das Land Ägypten zur Hungersnot verdammte, wenn die Tsetsefliege die ostafrikanischen Herden vernichtete, wenn das sibirische Ren sich in den äußersten Norden zurückzog, wenn die Hitze die wildwachsenden Melonen der Buschmänner zerstörte oder wenn in Australien der Nardusame des nahrungspendenden Marsilia-Farns oder die Bunya-bunya-Frucht durch Feuer zerstört wurden.

Obwohl die Menschheit es inzwischen gelernt hat, durch planmäßige Bewirtschaftung des Bodens die Vorbedingungen für die Existenz von stetig wachsenden Völkergruppen zu schaffen, so sind doch im Prinzip die Methoden unserer Nahrungsbeschaffung noch immer dieselben wie die der Urzeit. Genau wie unsere Vorväter sind auch wir noch immer von den gleichen pflanzlichen und tierischen Nährstoffen abhängig. Auch heute noch wie vor Jahrtausenden sind Ackerbau und Viehzucht die Grundlagen der menschlichen Wirtschaft, und wie einst seine primitiven Vorfahren, ist auch der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts in weitestgehendem Maße von dem herrschenden Klima abhängig.

Noch immer wird die Vermehrung der Tiere und das Wachsen der Nahrungspflanzen ausschlaggebend von den jeweiligen klimatischen Verhältnissen bedingt, die die Lebensäußerungen und Ernährungsmöglichkeiten aller Lebewesen direkt oder indirekt beeinflussen. Deshalb ist der Mensch von jeher gezwungen gewesen, seine Gewohnheiten und die Art seiner materiellen Besitztümer den Anforderungen des Klimas anzupassen, in das er hineingeboren wurde, und auch die Tiere haben sich seinen Launen und Erfordernissen zu fügen gewußt.

Die Entwicklungsstufe der Menschheit, die über fünfundsiebzigtausend Jahre lang die Geschichte der Steinzeit bestimmte, der sogenannte Neandertalmensch, ist vielleicht den eingreifendsten klimatischen Wechseln und damit den fühlbarsten Veränderungen von Flora und Fauna ausgesetzt gewesen. Und dennoch haben diese uralten Völker es verstanden, sich ihrer ewig wechselnden Umgebung wirtschaftlich und kulturell erfolgreich anzupassen. Obwohl der Neandertaler noch nicht die Kenntnis von Ackerbau und Viehzucht erlangt hatte, so war es vielleicht gerade diese Tatsache, die es ihm möglich machte, unter ständig wechselnden Umständen sein Leben zu fristen, indem er einfach von der Hand in den Mund lebte.

Die charakteristische Wirtschaftsform des frühpaläolithischen Menschen war die gemeinsame Jagd. Die gesammelte Pflanzennahrung, wie Beeren, Früchte und Samen, wurde mit dem Fleisch der erjagten Tiere, wie Rhinozeros, Mammut, Ren, Auerochse, Höhlenbär und Wollnashorn, vervollständigt. Die primitiven Waffen und Jagdgeräte dieser Stämme zeigen ganz deutlich, daß der einzelne Jäger diese gewaltigen Tiere niemals ohne die Mitwirkung seiner Stammesgenossen hätte erlegen können und daß die gemeinsame Jagd eine Lebensnotwendigkeit war. Damit der einzelne leben konnte, führte so schon die Wirtschaftsform der Eiszeit zu einer Organisation in Sippen oder Lokalgruppen. Außerdem war die Menge des von einem Jagdtier erbeuteten Fleisches so groß, daß sie bei weitem die Bedürfnisse der Einzelfamilie überstieg und eine Verteilung des Fleisches zugunsten der Gemeinschaft erforderte. Die Gründe für dieses soziale Verhalten waren durchaus nicht idealistisch-humanitärer Art, sondern das Verteilen der Beute unter alle war eine natürliche Konsequenz der Beschaffenheit der erlegten Tiere. Diese Verteilungsmethode hatte den weiteren Vorteil, daß alle Stammesmitglieder Nahrung erhielten, selbst wenn die eine Jägergruppe nicht vom gleichen Glück begünstigt gewesen war wie die andere. Ihre Kenntnis der Prinzipien der Treibjagd führte diese Stämme auch zur Erfindung des ersten Roboters, der Tierfalle.

Diese Wirtschaftsform des Frühpaläolithikums, die die älteste Form der menschlichen Wirtschaft darstellt, ist nun aber keineswegs ausgestorben, sondern ist noch heute das Charakteristikum aller jener primitiven Völker, die wir als Sammler und Jäger zu bezeichnen gewohnt sind. Sie sind unter den verschiedensten geographischen Gegebenheiten über die ganze Erde verbreitet. Wir finden sie in den tropischen Gebieten der afrikanischen Pygmäen, der Weddas auf Ceylon, der Semang und Senoi der Malakka-Halbinsel, der Kubu von Sumatra, in Südasien und Südamerika bei den zahlreichen Lokalgruppen der Ges-Völker. Zu den Sammlern und Jägern der subtropischen Steppen und Wüsten gehören die Buschmänner Südafrikas und viele australische Stämme. Ihr subarktisches Gegenstück sind die Feuerländer der Südspitze des südamerikanischen Kontinents. Die Wirtschaft dieser Völker paßt sich genau den klimatischen Verhältnissen ihrer jeweiligen Gebiete an. Ihre hervorstechendste Eigenschaft ist der durch die Knappheit der Nahrung bedingte Mangel an Seßhaftigkeit. Um überhaupt leben zu können, durchschweifen selbst die kleinsten Gruppen unaufhörlich Gebiete von oft ungeheurer Ausdehnung.

Aber schon auf dieser frühen Gesellschaftsstufe bildete sich ein System der Arbeitsteilung heraus, bei dem die Frauen vor allem die Pflanzennahrung, wie Früchte, Knollen, Wurzeln und Samen, sammeln, während die änner die benötigten Fleisch- und Fischmengen erjagen.

Das Arbeitsgerät der Frauen, mit dem sie die Knollen und Wurzeln aus dem Boden holen, ist der einfache Grabstock, der meist aus einem Ast oder Zweig gefertigt ist. Die Jagdwaffen der Männer sind Speere, Keulen und in einigen Fällen Bogen und Pfeile.

Die Geschicklichkeit, mit der diese primitiven Geräte gehandhabt werden, ist oft erstaunlich. Diese Sammler und Jäger fühlen sich, wie der Forscher Seiwert von den Bagielli, einem Pygmäenstamm Kameruns sagt, „als Herren des Waldes". Trotz ihrer geringen Körpergröße greifen diese Völker furchtlos Schimpansen, Gorillas, Leoparden, Büffel und sogar den mächtigen Elefanten an. Eine ihrer Methoden der Elefantenjagd, die von demselben Gelehrten beschrieben wird, läßt interessante Schlüsse auf die Mammut Jagden der Eiszeit zu: „Zuerst schmieren sie sich am ganzen Leibe mit frischer Elefantenlosung ein, damit das Tier keine Gefahr wittere, sondern nur den eigenen Geruch wahrnehme, wenn sie sich behutsam an dasselbe heranschleichen. Auf dem Bauche kriechend, wenn es nicht anders möglich ist, pirschen sie langsam vor bis unter das ahnungslose Tier, worauf sie ihm dann plötzlich mit aller Wucht von unten die stark vergiftete Lanze in die Weichteile des Bauches stoßen, worauf es dann bald zusammenstürzt. Dann schlagen sie ihm schnell mit dem scharfen Haumesser den Rüssel ab, so daß es verbluten muß."

Dies ist nur ein Beispiel für die Fähigkeit der Naturvölker, die Unzulänglichkeiten ihrer primitiven Werkzeuge durch Klugheit auszugleichen. Die bei der Erbeutung der Pflanzennahrung angewandte Intelligenz steht der der Jagdmethoden nicht nach. Sobald in einer bestimmten Gegend alles Eßbare gesammelt worden ist, wandern diese Stämme in neue, oft viele Kilometer weit entfernte Gebiete, die ebenfalls systematisch abgesucht werden. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten wechselt auch die Art der zu sammelnden Pflanzen. So schleppen zum Beispiel die Buschmänner während der Trockenzeit im Sande der Kalahari Tausende von wilden Kürbissen zusammen, die es ihnen ermöglichen, ohne Wasser zu leben.

Die Sammler und Jäger verschlingen nun durchaus nicht jede Pflanze, die einigermaßen genießbar aussieht, sondern verstehen genau zwischen nützlichen und schädlichen Gewächsen zu unterscheiden. Die Entdeckung einer neuen Nahrungspflanze hat für sie die Bedeutung einer wichtigen Erfindung. Die Vettern Saraein haben festgestellt, daß die Wedda allein vierzig Pflanzenarten und zwanzig verschiedene Tiere als Nahrungsmittel betrachten. Die botanischen Kenntnisse der Australier sind noch bedeutender. Nach Thomas kennen sie etwa dreihundert verschiedene eßbare Pflanzen. Die Mitgliederzahl der einzelnen jagenden und sammelnden Gruppen hängt hauptsächlich von der Fruchtbarkeit des jeweiligen Gebietes ab. Je kärglicher die Nahrung, desto enger der Kreis derer, die sich von den spärlichen Bodenprodukten zu ernähren suchen. In Tasmanien, Australien und in den arktischen Gebieten schließen sich nur wenige Individuen zur Nahrungssuche zusammen. Nach H. L. Roth bestand in Tasmanien eine solche Gemeinschaft meist nur aus drei bis vier Hütten, die je von drei bis vier Personen bewohnt wurden. Die größte Gruppe, die Martin auf Malakka beobachtete, umfaßte siebenundzwanzig Individuen, während Seligmann bei den Wedda gewöhnlich Gruppen von einer bis fünf Familien miteinander lebend fand. Die meisten Australier schweifen nach Malinowski zwei- oder dreifamilienweise auf ihren Sammelgebieten umher, insgesamt etwa sechs bis neun Menschen. Erst wenn die Wirtschaftsbedingungen sich verbessern, werden auch die beieinander hausenden Gruppen zahlreicher. So fand Howitt in Südostaustralien eine Kurnai-Gruppe, die aus acht Familien bestand, und eine Wurunjeri-Gruppe von sechs Familien. Im Buschmannsgebiet sah Passarge zwölf nebeneinander errichtete Windschirme, die von einer verhältnismäßig großen Anzahl von Individuen bewohnt wurden, und die Andamanen schließen sich zu Gruppen von etwa fünfzig Mitgliedern zusammen.

Aber selbst wenn wir die Sammler und Jäger als Vertreter der ältesten Wirtschaftsform der Menschheit ansehen, so stellt doch ihre Lebensweise keineswegs den Uranfang der Kultur dar. Ihre zahlreichen technischen Fähigkeiten, ihre Waffen, Fallen und Jagdmethoden und ihre Kenntnis der Feuererzeugung deuten bereits auf eine lange Entwicklung hin. Im Gegensatz zu den Tieren, deren Körper sich der vorhandenen Rohnahrung anpassen mußten, hatten ältere Stämme von Urmenschen längst gelernt, die von der Natur gelief erten Nährstoffe so zuzubereiten, daß sie den Ansprüchen des menschlichen Organismus genügten. Mit Hilfe des Feuers machten sie Fleisch und Pflanzen genußfertig und versetzten sie in einen schmackhafteren und leichter verdaulichen Zustand.

Die Frage, wie sich nun aus dieser ältesten aneignenden Wirtschaftsform des Sammeins und Jagens die höheren Formen des Ackerbaues und der Viehzucht entwickelt haben, hat von jeher zu den fesselndsten Problemen der Wissenschaft gehört. Schon die Gelehrten Griechenlands versuchten, eine Antwort auf diese Frage zu finden, indem sie drei verschiedene Wirtschaftsformen unterschieden: ihre eigene, die auf dem Ackerbau beruhte; eine zweite, die die der viehzüchtenden Nomaden am Rande der griechischen Welt war; und als dritte die aneignende Wirtschaft des Sammeins und Jagens. Die Vertreter dieser Anschauung machten jedoch den grundlegenden Fehler, diese drei gleichzeitig bestehenden Wirtschaftsformen in eine chronologische Folge zu zwingen. Aus diesem Irrtum entstand die durch Jahrhunderte übernommene sogenannte Dreistufentheorie von Jagd, Viehzucht und Bodenbau. Die Urstufe des Sammelns und Jagens wurde entweder als ein paradiesisches goldenes Zeitalter oder aber als ein halb tierischer Zustand der „Wilden" beschrieben. Diese nicht abzuschüttelnde Dreistufentheorie der menschlichen Wirtschaftsformen wurde im achtzehnten Jahrhundert besonders in den Schriften von Rousseau und Adam Smith vertreten, während Friedrich List, S. Cognetti de Martiis, der französische Prähistoriker Mortillet, der Belgier Laveleye und andere sie ins neunzehnte Jahrhundert übernahmen.

Die Fülle neugesammelten völkerkundlichen Materials jedoch und die neuen durch moderne Forschungsreisen bekanntgewordenen Tatsachen beweisen deutlich, daß diese alte Theorie nicht länger aufrechterhalten werden kann. Besonders die Werke von Ernst Große und Eduard Hahn haben neues Licht auf die Wirtschaftsformen der Menschheit geworfen. Aber selbst heute ist der wissenschaftliche Streit über die Frage der Entstehung von Ackerbau und Viehzucht noch nicht verstummt. Noch immer versuchen einzelne Gelehrte, den Übergang von der aneignenden zur Produktionswirtschaft mit Hilfe psychologischer Analysen zu erklären. So glaubte zum Beispiel Tylor, daß die Erfindung des Bodenbaues durchaus keine „Erfindung" gewesen sei, sondern daß es den Sammlern und Jägern ganz natürlich gewesen sein müsse, die ihnen bekannten Samen und Wurzeln planmäßig auszusäen oder zu pflanzen. Er glaubte, daß die schweifenden Sammler und Jäger infolge dieser Gewohnheit seßhafter wurden und damit eine kulturell gesehen höhere Lebensform annahmen.

Bei näherer Betrachtung erweisen sich jedoch diese psychologischen Erklärungen als leichtfertige Spekulationen. Die ethnologischen Tatsachen beweisen mit großer Deutlichkeit, daß die psychologische Bereitschaft zum Bodenbau, vor allem das Wartenkönnen auf das Reifwerden der Pflanze oder Frucht, der Vorstellungswelt der Sammler und Jäger völlig fremd ist. Man hat in den verschiedensten Weltgegenden versucht, Sammler und Jäger zum Bodenbau zu „bekehren", aber es hat sich in allen Fällen erwiesen, daß die zu dieser Wirtschaftsstufe gehörenden Stämme niemals in der Lage gewesen sind, die höhere Form der Produktionswirtschaft auch nur zu begreifen. Entweder wurden die zur Aussaat unter den Eingeborenen verteilten Samen sofort von den Beschenkten verspeist oder die jungen Pflanzen, die sich auf den von weißen Fachleuten bearbeiteten Feldern zu zeigen begannen, wurden in unreifem Zustande ausgerupft und auf der Stelle als Nahrung verwendet.

Die brasilianische Regierung wählte den Sammler- und Jägerstamm der Bororo für ein solches Experiment aus. Sie erhielten Ackerland und Samen zugeteilt, die Felder wurden von Regierungsfachleuten für sie vorbereitet, und genügend Nahrungsmittel wurden unter den Stammesmitgliedern verteilt, um ihre wirtschaftliche Existenz bis zur Zeit der Ernte sicherzustellen. Was aber geschah? Sobald die Bororo die glücklichen Besitzer von Äxten geworden waren, fällten sie damit sofort die Pikibäume, die sie früher zu erklettern gezwungen waren, um die Früchte zu erlangen. Die Zuckerrohrpflanzungen mußten Tag und Nacht bewacht werden, um sie vor völliger Zerstörung zu bewahren, und die Maniokpflanzungen wurden durch vorzeitiges Ausrupfen der Sträucher vernichtet. Die an das Ausgraben wilder Wurzeln gewöhnten Frauen liefen mit ihren Grabstöcken in die Felder, um die wachsenden Knollen vor Erreichung der Reife aus der Erde hervorzuwühlen.

Ein eifriger Missionar, der versuchte, die zur Sammler- und Jägerwirtschaft gehörenden Wasekele in Afrika gleichzeitig mit den Segnungen des Christentums und des Bodenbaues bekanntzumachen, wurde von den Eingeborenen ausgelacht, und seine Vorschläge wurden mit den Worten abgewiesen: „Verhungern denn die Affen? Wir kennen die Wälder und die Flüsse und Bäche. Gott will, daß wir frei umherschweifen, und es ist nicht sein Wille, daß wir eine Hacke in die Hand nehmen."Dagegen ließ sich nicht viel ein wenden, und selbst der wohlmeinende Missionar konnte die Eingeborenen nicht daran hindern, sich auch weiterhin wie „die Lilie auf dem Felde" zu ernähren.

Vanoverbergh berichtet, daß die Negritos von Luzon sich weigerten, die Kunst des Pflanzens und Erntens zu erlernen, „denn sie wollten nicht an einem und demselben Orte bleiben". Derselbe Forscher stellt fest, daß selbst Stämme, die dazu gebracht werden konnten, einige Gemüsearten anzupflanzen, meist schon das Gebiet der Felder verlassen hatten, ehe die Pflanzen zur Ernte reif waren.

Eines der besten Beispiele für die völlige Unfähigkeit der Sammler und Jäger, den Sinn und Zweck des Bodenbaues einzusehen, ist eine alte Geschichte von den Pygmäen des belgischen Kongos, die von Schebesta aufgeschrieben wurde. Diese Stämme sind stolz auf ihren Mut und auf die Ungebundenheit ihrer Lebensweise, und obwohl sie mit bodenbauenden Negerstämmen eng zusammenleben, haben sie niemals die Wirtschaftsform der großwüchsigen Nachbarn angenommen. Die überlieferte Geschichte erklärt, warum die Pygmäen das Recht haben, auf den Pflanzungen der Neger Bananen einzusammeln.

Auf seinen Streifzügen durch den Urwald gelangte eines Tages ein Pygmäe in Begleitung eines Negers in ein Schimpansendorf. Dort sahen sie zum erstenmal Bananenstauden und daran die goldigen Bananentrauben. Da sie dachten, daß die Früchte giftig seien, trauten sie sich nicht davon zu essen. Der Neger munterte jedoch den Pygmäen auf, zu versuchen, wie sie schmeckten, bis dieser schließlich kostete und fand, daß sie wunderbar schmeckten. Trotzdem wagte der Neger nicht, auch seinerseits von den Bananen zu essen. Sie legten sich darauf zum Schlaf nieder, der Neger mit der Überzeugung, daß sein Begleiter nach dem Genuß der Bananen sterben müsse. Am nächsten Morgen galt sein erster Gedanke dem Zwerg, der zu seinem größten Staunen gesund vom Schlaf erwachte. Nun versuchte auch der Neger von den Früchten und fand sie ebenfalls ausgezeichnet. Da überlegten sie beide, wie es möglich wäre, die Bananen auch in ihrem Dorfe anzupflanzen. Der Pygmäe nahm die Frucht mit und schalt den Neger einen Dummkopf, da dieser lieber die Stauden als Stecklinge mitnahm. Der Zwerg pflanzte die Frucht, der Neger die Stauden, und als nach einiger Zeit die Blätter an den Stauden verwelkten und abfielen, da freute der Bambuti sich erst recht. Der schlaue Neger aber wußte Bescheid und lud den Pygmäen ein, er möge sich nach ein paar Monaten wieder im Dorf einstellen. Inzwischen wartete der Zwerg vergebens, daß seine Bananen wuchsen. Die Früchte, die er in den Boden gesteckt, waren verfault und nichts war daraus geworden. Wie groß aber war sein Erstaunen, als er nach Monaten ins Negerdorf kam und die herrlich prangenden Bananenstauden mit den Früchten daran sah. Nun war das Lachen auf Seiten des Negers, der seinen Gast mit den ersten Bananen bewirtete. Der Zwerg bekannte nun, daß er zum Bauer nicht tauge und lieber seiner Jagd nachgehe, während der Neger die Bananen weiter anbauen möge, er werde sie essen kommen.

Seit dieser Zeit nun meinen die Bambuti, sie hätten ein Recht auf die Bananen, die die Neger pflanzten, denn durch sie hätten die Neger sie kennengelernt." Dies sind nur einige Beispiele, die deutlich zeigen, daß auf unsere moderne Psychologie basierte Spekulationen in keiner Weise geeignet sind, den Übergang von der Wirtschaftsform des Sammeins und Jagens zum Bodenbau zu erklären.

Ebenso unbefriedigend ist die Annahme mancher Ethnologen und Wirtschaftswissenschaftler, daß Seßhaftigkeit die Folge des Bodenbaues gewesen wäre. Die Vertreter dieser Anschauung behaupten, daß eine relative Seßhaftigkeit erst mit der Erfindung des Bodenbaues erreicht wurde und daß also die Seßhaftigkeit eine Folge, nicht eine Vorbedingung der Erfindung des Bodenbaues gewesen sei. Auch diese Anschauung ist eine psychologische Spekulation, die mit den Tatsachen nichts zu tun hat. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß zum mindesten eine relative Seßhaftigkeit die Vorbedingung für die Erfindung des Bodenbaues gewesen sein muß. Außerdem mußten die Erfinder der höheren Wirtschaftsform die wichtige psychologische Bereitschaft des Wartenkönnens auf das Reifen der Frucht besitzen.

Welche Völkergruppe war es denn nun eigentlich, die die psychologischen und tatsächlichen Vorbedingungen zur Erfindung des Bodenbaues besaß?

In der Tat gibt es Stämme, die durch die Beschaffenheit ihrer Wirtschaftsform in jeder Weise das fehlende Glied zwischen den Sammlern und Jägern einerseits und den Stämmen der Produktionswirtschaft andererseits darstellen. Ich bezeichne sie als Erntevölker. Ihre Nahrungsbeschaffung beruht auf dem Einernten einer oder weniger in großen Mengen wildwachsender Pflanzenarten, die ihren Hauptunterhalt während des gesamten Jahres darstellen. Sie sind weder Viehzüchter noch Ackerbauer, sondern fundieren ihre gesamte Wirtschaft auf dem planmäßigen Einernten — nicht dem gelegentlichen Sammeln — von einer oder wenigen wildwachsenden Pflanzenarten.

Die die Erntewirtschaft ausübenden Stämme lebten oder leben noch heute in allen fünf Erdteilen. Wie zahlreiche Ausgrabungen bewiesen haben, beruhte die Wirtschaftsform des späteren Paläolithikums bis zu den Anfängen des Neolithikums auf dem Einernten wildwachsender Früchte und Samen. Während wir heute in Afrika kaum mehr echte Erntevölker finden, so zeigen doch die alten Berichte, daß das Einernten wildwachsender Pflanzen und Samen im Wirtschaftsleben vieler afrikanischer Stämme eine wichtige Rolle gespielt hat. Nach Herodot wurde die Lotoslilie von den alten Ägyptern in großen Mengen geerntet, in der Sonne getrocknet, zu Mehl zerrieben und zum Brotbacken verwendet. Er beschreibt die Wurzel als etwa apfelgroß und von süßlichem Geschmack. Kotschy berichtet, daß in Kordofan der wilde Reis geerntet und zur Herstellung von Brot verwendet wurde, während Schweinfurth drei verschiedene Oryza (Reis)-arten unterscheidet, die im tropischen Afrika eine Hauptnahrungsquelle darstellten, ohne angepflanzt zu werden. Auf den Marktplätzen des Senegalgebietes ist der geerntete wilde Reis noch heute ein wichtiges Handelsobjekt und erzielt höhere Preise als der durch Ackerbau erzeugte Reis.

In Australien finden wir Erntevölker besonders in den östlichsten, südlichsten und nördlichsten Gebieten. Die Erntefrüchte sind hauptsächlich die wilde Yamswurzel, der Nardusame, die Lilien wurzel, die Bunya-bunya-Frucht (Araucaria Bidwillii), die Früchte der Zykadazeen und andere.

Bezeichnenderweise werden diese Ernteprodukte entweder im Naturzustande aufbewahrt oder so verarbeitet, daß sie sich lange halten und während des gesamten Jahres als Hauptnahrungsmittel dienen können.

Die Erntefrüchte sind auch begehrte Handelsobjekte. Zuweilen werden sie, wie zum Beispiel bei den Stämmen des australischen Carpentariagolfes, durch einen Einsäuerungsprozeß konserviert, der in Polynesien und bei verschiedenen arktischen Stämmen noch weiter vervollkommnet worden ist. Im Süden und Westen von Neuguinea liefert die wilde Sagopalme als Nahrungsquelle vieler Stämme das begehrte Ernteprodukt.

Auch die alten Renzüchter Asiens sind höchstwahrscheinlich Fischer und Erntevölker gewesen, ehe sie zur Renzucht übergingen. Noch heute werden weite arktische Gebiete von den Tschuktschen, Jakuten und Tungusen bewohnt, in deren Leben das Ernten wilder Wurzeln, Zwiebeln und des Knoblauchs eine wichtige Rolle spielt. Besonders die Tschuktschen sammeln die Wurzeln und die mittleren Teile der Claytonia acutifolia Willd. in großen Mengen ein. Diese Pflanze wird eingesäuert und durch das ganze Jahr hindurch bis zur nächsten Ernte gegessen.

Die Polynesier hätten sich ohne das Vorkommen des wilden Brotfruchtbaumes und der Sagopalme nicht auf den Korallenatollen niederlassen können. Im südamerikanischen Gran Chaco werden die Algaroba und die Tuska geerntet, während die Araukaner und die alten Peruaner hauptsächlich die wilde Kartoffel ernteten. Ja, der Staat der Inkas wäre ohne die Wirtschaftsgrundlage der wilden Kartoffel überhaupt nicht denkbar. Bei einer Ausgrabung prähistorischer peruanischer Kulturgüter fand Harshberger auch einige etwa vier Zentimeter lange Knollen dieser Pflanze, die genau denen der noch heute auf den Bergen Mexikos wachsenden wilden Kartoffel gleichen.

Zu den wichtigsten nordamerikanischen Erntefrüchten gehören der wilde Wasserreis, die Pinonnuß und die Eichel. Diese werden noch durch eine Reihe anderer Pflanzen und Pflanzenprodukte, wie die Schoten des Mesquite-Baumes, die Meskalwurzel, die Knolle der Teichbinse und eine Anzahl wildwachsender Samen, ergänzt und vermehrt. Die östlichen Stämme Mittelkaliforniens leben hauptsächlich von Eicheln und Pinonnüssen. Bis in die modernste Zeit hinein haben deshalb diese Stämme keine Hungersnot gekannt, was sich aber heutzutage geändert hat. So war es noch im Jahre 1941 eine wahre Katastrophe, als die Eichelernte im San-Joa-quin-Tal verdarb, und die offiziellen Berichte über diese Hungersnot machten die folgenden Feststellungen: „Ehe der weiße Mann uns seine Zivilisation aufdrängte, konnten wir unsere Eicheln und unser Eichelmehl so lange wollten in genießbarem Zustande erhalten. Jetzt aber werden die Eicheln oft schon nach ein paar Monaten wurmstichig. In jedem Indianerlager, von denen es noch immer Hunderte gibt, werden große Mengen Eicheln in geflochtenen Weidenkörben aufbewahrt." Dies hat wahrscheinlich seinen Grund in den durch die Zivilisatoren eingeschleppten Pflanzenparasiten.

Das wichtigste Ernteprodukt der nordamerikanischen Indianer ist jedoch der wilde Wasserreis der seenreichen Gebiete des nördlichen Mittelwestens. Schon 1683 schrieb Pater Hennepin die folgende Eintragung in sein Tagebuch: „In den Seen wachsen große Mengen wilden "Reises, die weder gesät noch irgendwie bearbeitet werden. Die alten Indianer erzählten mir viele interessante Geschichten über diese Reisfelder und daß zwischen den Sioux und den Chippewa die blutigsten Schlachten um den Besitz der wilden Reisfelder ausgetragen worden sind."

Die Chippewa (korrekter: Ojibwa) glauben noch heute, daß Manito den von ihnen Manomin genannten wilden Reis als besondere Nahrung für die Indianer erschaffen hat, und am ersten Tag der Ernte hörte ich sie dem höchsten Gott ihren Dank dafür in feierlicher Weise aussprechen. Das Chippewa-Wort für den Monat August (Mah-no-nim-e-ke-ge-sis) bedeutet „Monat der Reisernte", und die Ernte selbst bildet den alljährlichen Mittelpunkt des gesamten Wirtschaftslebens dieser Völker. In den alten Zeiten wurde der kurz vor der Reife stehende Reis von den Frauen im See zu Bündeln zusammengebunden, um die lose sitzenden Körner vor Stürmen und vor den Wasservögeln zu schützen und um später die Ernte zu erleichtern. Heute ist dies nicht mehr üblich, aber ein vom Stamme gewähltes Reiskomitee wacht genau über die Einzelheiten der Ernte, bestimmt den Tag des Erntebeginns und die abzuerntenden Teile der im schlammigen See sprießenden Reisfelder und gestattet nur einer bestimmten Anzahl vorher registrierter Kanus die Teilnahme an der Ernte. Wenn der große Tag kommt, ruft der Häuptling in zeremonieller Weise die Ernter zur Ausfahrt auf, und erst dann dürfen sie sich auf den See begeben, um zu genau bestimmter Stunde wieder zurückzukehren. Die Kanus werden auf den See hinausgerudert und dann mit langen Stechgabeln langsam durch die Reisfelder bewegt, während die Frauen mit zwei aus Zedernholz geschnitzten Erntestäben die Reiskörner in das Boot schlagen, ohne die Pflanzen selbst zu beschädigen oder auszureißen. Sofort nach der Rückkehr wird der grüne Reis auf großen Matten aus dünner Birkenrinde an der Luft getrocknet, dann im gewaltigen Eisenkessel mit dem Ruder über einem starken Feuer erhitzt und geröstet, so daß die Grannen und Hülsen sich lockern, die dann durch Worfeln in flachen Birkenrindenkörben entfernt werden, worauf die Körner in Erdgruben oder in die Erde versenkten Holzkübeln mit den Füßen rhythmisch getreten werden. Nach diesem Dreschprozeß werden die Reiskörner wieder geworfelt und sind nun frei von aller Spreu und können zur Nahrung verwendet werden. Die Farbe der fertigen Reiskörner ist weißlichgrün, und sie sind außerordentlich wohlschmeckend. Viele Legenden der Indianer suchen den Ursprung dieses gesegneten Nahrungsmittels zu erklären, und sie glauben, daß Manito einst während einer Hungersnot ihre Gebete erhörte und dem Medizinmann der Midewiwin-Geheimgesellschaft erschien, um ihnen zu sagen: „Holt euch die Samen, die scharf wie Speere sind. Ihr Inneres birgt süße Nahrung." Gleichzeitig lehrte er die Indianer die Geheimnisse der Ernte und Bearbeitung der Körner, die noch heute wie in den uralten Zeiten in gleicher Weise vollzogen wird.

Im Gegensatz zu den Sammlern und Jägern, die ewig wandernd im Stammesland umherschweifen und von der Hand in den Mund leben, denken die Erntevölker in den Zeiten der Fülle an die kommenden Tage der Not und sorgen für die Zukunft vor, indem sie die kostbare Nahrung sorgsam aufspeichern, um während der knappen Jahreszeit davon essen zu können. Ihre Behausungen sind von soliderer Konstruktion als die der Völker der aneignenden Wirtschaftsform. Sie lassen sich an einem bestimmten Orte nieder, nämlich in unmittelbarer Nähe der Erntefelder, die oft viele Hunderte Quadratkilometer umfassen. Welcherlei Pflanzenarten auch von den verschiedensten Stämmen geerntet werden, stets zeigt sich der ungeheure Einfluß dieser Wirtschaftsform auf ihre gesamte kulturelle Entwicklung. Zu ihren charakteristischsten Kennzeichen gehören die sorgfältig angelegten Verstecke und gutgebauten Vorratshäuser zui Aufbewahrung der Ernteprodukte.

Obwohl die Erntevölker noch nicht bis zur Wirtschaftsform des Bodenbaues fortgeschritten sind, ist doch ihre Einstellung zu den wildwachsenden Pflanzen grundverschieden von der der Sammler und Jäger und psychologisch der der Bodenbauer eng verwandt. Da die Erntefrucht für sie eine absolute Lebensnotwendigkeit ist, wird sie in Gesängen und Riten verherrlicht, und ihre Vermehrung wird auf jede Weise zu fördern gesucht. So stecken die Erntestämme Westaustraliens während der Yamsernte einige Knollen wieder in den Boden, und die Ojibwa schlagen bei der Reisernte mehr Körner in den fruchtbaren Schlammboden ihrer Seen als selbst in die Kanus und stellen damit unwissentlich die Ernte des kommenden Jahres sicher. Wenn in der Südsee die Besitzer der wilden Kokospalmen einen Baum gefällt haben, hacken sie den Boden um die Wurzeln herum auf, damit neue Schößlinge dort wachsen können.

Das Erntefeld wird zum Mittelpunkt des Stammeslebens und aller gesellschaftlichen Betätigung. Da der Lebensunterhalt dort gesichert ist, siedeln sich mehr und mehr Stammesmitglieder in der Nähe der Erntefelder an, um in Gemeinschaften zu leben, die die der Sammler und Jäger bei weitem an Umfang übertreffen. So leben die Winnebago oft zu Dreihundert und mehr beisammen, und in Neuguinea hausen in der Nähe der wilden Sagopalmen oft tausend Obotos und Wakatimi in gemeinsamen Siedlungen. In Nordamerika sind vor allem die wilden Reisfelder der Hauptgrund für die Ausdehnung der Sioux und der Algonkinstämme gewesen, und in Polynesien hat der Brotfruchtbaum die Wanderungen ganzer Völkerwellen überhaupt erst möglich gemacht.

Nur die Erntevölker, die ernten, ohne zu säen, und deren Erntetätigkeit der der Bodenbauer genau gleicht, können die ursprünglichen Erfinder des Bodenbaues gewesen sein. Dies wird noch weiter durch die Tatsache verdeutlicht, daß allein die Wirtschaftsform der Erntevölker die Voraussetzungen zur Viehzucht schuf. Die durch die Not des Augenblicks zu ununterbrochener Nahrungssuche genötigten Sammler und Jäger konnten dem Beutetier gegenüber keine freundliche Einstellung entwickeln. Um leben zu können, mußten sie jedes eßbare Wild, dem sie begegneten, sofort töten. Da im Gegensatz hierzu die Erntefrucht das Hauptnahrungsmittel der Erntevölker darstellte, die sie vor Not und Hunger schützte, so konnten sie dem Tier eine freundschaftliche Einstellung entgegenbringen.

So erfüllen also nur die Völker der Erntekultur die Vorbedingungen zum Bodenbau und zur Viehzucht. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Kenntnis der Bodenbearbeitung und die Entwicklung der Viehzucht aus dieser fortgeschrittenen Form der aneignenden Wirtschaft hervorgegangen sind. In den besonders begünstigten Gebieten der Erde hat sich dann der primitive Bodenbau im Laufe der Jahrhunderte endlich zur Wirtschaftsform der Hochkulturen entwickelt, die sich durch die Bearbeitung des Bodens mit dem Pfluge auszeichnet. An welcher Stelle der Erde sich unter idealen Bedingungen diese Entwicklung vollzog, können wir heute nicht mehr feststellen, obwohl mancherlei Anzeichen dafür sprechen, daß es in Süd- oder Zentralasien geschah.

Da bereits neolithische Funde für die Wirtschaftsform des Bodenbaues zeugen, können wir ihre Entstehung etwa ins fünfte Jahrtausend v. d. Zr. ansetzen. Menghin und Heine-Geldern haben die sogenannte Walzenbeilkultur als die älteste neolithische Form der Produktions - Wirtschaft des Bodenbaues herausgearbeitet, die sich von ihren wahrscheinlich ältesten Verbreitungsgebieten im südlichen Zentralasien (China) über die gesamte Erde ausgedehnt hat. Ihr Name ist von einem meist geschliffenen Steingerät, dem Walzenbeil, abgeleitet, einem Beil mit kreisförmigem Querschnitt, geschliffener Schneide und rundlicher oder kegelförmiger Nackenseite. Die neolithische Wirtschaftsform der Walzenbeilkultur war in der Tat über die ganze Erde verbreitet. In gewaltigen Wellen durchdrang sie die asiatischen und europäischen Kontinente, die ost- und südasiatischen Gebiete und die melanesische Inselwelt. Obwohl die örtlichen Ausdrucksformen der Walzenbeilkultur zuweilen variieren, so war sie doch oft mit der Schweinehaltung oder -zucht verbunden. Wo Wildschweine vorkamen, wurden sie meist gefangen und in Umzäunungen gehalten, bis sie zur Nahrung benötigt wurden, zuweilen jedoch wurden sie auch schon zu Zuchtzwecken verwandt. Daraus erklärt sich die Tatsache, daß an den meisten Fundorten von Kulturelementen der Walzenbeilkultur viele Wildschweinknochen gefunden worden sind.

Welche Pflanzenarten nun von den ersten Bodenbauern systematisch angepflanzt worden sind, ob es Sträucher, Knollen, Wurzeln oder Bäume waren, läßt sich heute nicht mehr mit Gewißheit feststellen. Nach Werth ist die Banane in Südasien die erste Ackerbaupflanze gewesen. Die älteste angebaute Getreideart war nach Brunton der Emmerweizen, der von den ägyptischen Bodenbauern bereits um 5000 v. d. Zr. kultiviert wurde. Da es kaum mehr möglich ist, durch Ausgrabungen die Spuren der ältesten angebauten Knollen zu finden, läßt sich das Alter der ersten Bodenbauprodukte am besten auf dem Gebiet der angewandten Getreidearten verfolgen. Schon aus dem Neolithikum kennen wir Zeichnungen von angebauten Körnerfrüchten, und die Ausgrabungen im transkaspischen Anau haben bewiesen, daß die Gerste schon um 4500 v. d. Zr. bekannt gewesen ist. Die neolithischen Pfahlbauern der heutigen Schweiz zählten drei Weizenarten: den Zwergweizen, den Emmer (Triticum dicoccum) und das Einkorn (Triticum monococcum) zu ihren Bodenbaupflanzen, außerdem zwei Gerstensorten, und von Hirsearten wurde von ihnen die Rispenhirse als Feldfrucht angebaut. An Hülsenfrüchten wurde die Sau- oder Pferdebohne gepflanzt (aber erst während der Bronzezeit), ferner Erbse und Linse. In großen Mengen wurden Flachs und Lein- und der Gartenmohn kultiviert, vielleicht wurden Flachs und Mohn schon als Narkotika benutzt. Von Obstbäumen war der Apfelbaum bekannt, der anscheinend schon zu dieser frühen Zeit veredelt wurde.

Welcher Art nun auch immer die ersten Feldfrüchte gewesen sein mögen, soviel ist sicher, daß die Felder noch nicht mit dem zu jener Zeit noch unbekannten Pfluge bearbeitet wurden, sondern mit der Hacke und zuweilen noch mit dem kulturgeschichtlich primären uralten Grabstock. Ackerbautechnisch ausgedrückt handelt es sich hier im allgemeinen also um ein „Wühlen", nicht „Wenden" des Bodens.

Noch heute wird der primitive Grabstock-Hackbau auf weiten Gebieten der Erde betrieben, vor allem im tropischen Afrika, in Amerika, Indonesien und Ozeanien. Zu den am häufigsten angebauten Pflanzen gehören Knollen und Wurzeln wie Yams, Maniok, Bataten, Taro und Kartoffel, während Mais, Reis und Durra oder S Mohrenhirse zu den beliebtesten kultivierten Körnerfrüchten zählen. In der Regel baut ein einzelner Stamm nur eine beschränkte Anzahl von Feldfrüchten an. Meist ist eine einzige Feldfrucht die Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. Dies bedeutet jedoch nicht, daß nicht zur Ergänzung der Hauptnahrung noch weniger wichtige Pflanzenprodukte angebaut würden. So werden fast überall narkotische und Gewürzpflanzen gezogen.

Wenn man die primitiven Bodenbauer über das Alter und die Herkunft ihrer angebauten Pflanzen befragt, so antworten sie stets, daß, wie die alten Sagen und Mythen beweisen, schon ihre Vorfahren seit undenklichen Zeiten dieselben Feldfrüchte angebaut haben. Die Tupi behaupten, daß der Maniokstrauch in der urältesten Vergangenheit einst blühend aus einem Grabe hervorwuchs, während die Bakairi ihn auf den Bogadufisch zurückführen, der in dem Flusse ihres Stammesgebiets vorkommt. Götter und Geister, Tiere und Helden werden als die Segenspender angesehen, die einst die Menschheit mit den so überaus wichtigen Gaben der Feldfrüchte beschenkten.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Erfindung des Bodenbaues das Verdienst der Frau gewesen ist. Schon in der aneignenden Wirtschaftsform waren es die Frauen, die für die Versorgung der Familie mit pflanzlicher Nahrung verantwortlich waren. Folglich waren es auch die Frauen, die die neue Erfindung des Säens und Pflanzens zuerst in die Tat umsetzten. Dennoch setzten die Männer auch nach der Einführung des Bodenbaues ihre Jagdtätigkeit fort, obwohl die Hauptnahrungssorge durch den Anbau der Feldfrüchte behoben worden war.

Oft sind die Urbarmachung eines neuen Feldes, die erste Pflanzung oder Saat oder selbst die Bestimmung eines Gebiets zum Felde der Anlaß zu Festen und Zeremonien, besonders dort, wo die gesamte Dorfbevölkerung gemeinsam an den mit dem Bodenbau verbundenen Arbeiten teilnimmt.

So befragen zum Beispiel die Nad'a von West-Flores auf den Sundainseln erst ihr beliebtes Orakel, den „Tibo" genannten Bambusstab, ehe sie ein neues Feld anlegen. Das Tibo wird über das Feuer gelegt, und die Art und Form seiner Sprünge bestimmen die Himmelsrichtung und Größe des neuen Feldes. Vorher wird das Orakel feierlich angeredet: „Tibo, wir wollen ein neues Feld anlegen. Sollte der zu ihm führende Pfad oder die Erde selbst unseren Plänen ungünstig sein, bitte zeige es uns durch einen Sprung oben rechts an!" Wenn die Antwort zufriedenstellend ausfällt, so wird sofort mit der Arbeit begonnen.

Nachdem ein Stamm der Hackbaukultur die Lage und Größe des neuen Feldes derart bestimmt hat, finden unter der Leitung der Medizinmänner Gesänge und Tänze statt. Am nächsten Morgen beginnt man mit der Rodung. Das Land wird von Urwald, Gestrüpp oder Steppengras befreit, indem man die Bäume mit der Steinaxt fällt, während die Wurzeln im Boden stehenbleiben. Zweige und Büsche werden verbrannt und die Asche als Dünger über der Erde verstreut. Während die Männer die schwerste Arbeit verrichten, sorgen die Frauen für die Ernährung der Stammesmitglieder. Nachdem oft nach tagelanger schwerer Arbeit das neue Feld fertig daliegt, übernehmen die Frauen die Bepflanzung, wobei alle nur erdenklichen magischen Zeremonien vollführt werden, um das Gedeihen der lebenswichtigen Frucht zu gewährleisten. Die Nad'a zum Beispiel ziehen auch hier wieder ihr Tibo zu Rate und laden die Seelen der anzubauenden Früchte ein, sich auf dem neuen Felde zu versammeln. „Tibo", sagen sie zu dem kleinen Bambusstab, „wir haben nun das ganze Feld gerodet, das Unkraut entfernt und das Gestrüpp verbrannt. Die Erde ist rein. Laß nun die reisbeladenen Seelen hierherkommen, damit wir eine gute Ernte haben. Laß unter dem Gewicht des geernteten Reises die Stützpfosten der Vorratshäuser brechen und den Boden bersten. Bitte, Tibo, versprich uns eine solche Ernte! Wenn dies dein Wille ist, so zeige es uns durch einen Sprung unten links an!" Nach dieser Feier säen die Frauen die Körner aus.

Die südamerikanischen Indianer pflanzen Maniokstücke in den Boden ein, aus denen sich dann die Sträucher entwickeln. Die reifen Knollen werden je nach dem Bedarf geerntet, wobei stets ein neuer Steckling sofort an die Stelle gesetzt wird, wo die alte Pflanze abgeerntet wurde. Die Felder werden im Zustand tadelloser Ordnung erhalten, die das Erstaunen schon manches Beobachters hervorgerufen hat. Ein die Felder der angeborenen in der Nähe des Xire-Flusses (Portugiesisch-Ostafrika) besuchender christlicher Bischof sagte ach seiner Rückkehr: „Ich glaubte, diesen schwarzen Burschen Verschiedenes beibringen zu können. Aber ich weiß erst jetzt, wieviel ich von ihnen lernen kann."

Trotz dieser Fürsorge für ihre Felder ist es bei den meisten Stämmen der Hackbaukultur üblich, die Äcker nach einer oder zwei Ernten zu verlassen und lieber anderswo ein neues Feld anzulegen. Einige Kongostämme jedoch und verschiedene melanesische Hackbauer sind bereits zu einer regelrechten Wechselwirtschaft fortgeschritten, bei der in Afrika die Fruchtfolge etwa derart ist, daß Bohnen auf einer frischgerodeten Pflanzung gesteckt werden. Nach der Ernte pflanzt man Hirse und Mandiokasträucher gleichzeitig an, wobei die Knollen etwa zwei Jahre lang abgeerntet werden können. Wenn die Sträucher abzusterben beginnen, wird das Feld brach liegengelassen und anderswo mit der Rodung einer neuen Pflanzung begonnen.

Die Vorzüge der Düngung werden schon von vielen primitiven Pflanzern erkannt. Einige ostafrikanische Bantustämmemachen ihre Felder mit Rinderdung fruchtbar. Schon Livingstone beobachtete, daß die Sambesi - Völker Pflanzenasche als Dünger verwandten. Die beliebtesten Düngemittel der nordamerikanischen Indianerstämme von Neu-England waren Fische und Muscheln. Die Inkas von Peru verbesserten den Boden ihrer Felder mit Guano, während die alten Mexikaner menschliche Exkremente als Dünger verwandten.

Auch die Entstehung der ersten Blumengärten als Ausdruck einer verfeinerten Freude am Schönen geht auf die alte Hackbaukultur zurück. Oft werden Sträucher und Blumen an den Rändern der Felder angepflanzt oder wie bei den Papua zwischen den Obstgärten gezogen. Diese ersten Bemühungen erreichten ihre Vervollkommnung in den schwimmenden Inseln im See von Mexiko und den legendären hängenden Gärten der Königin Seramis.

Außer dem Bodenbau hat ein anderer Zweig der Produktions Wirtschaft die Weltwirtschaft und die Weltgeschichte aufs wesentlichste beeinflußt, nämlich die Zähmung und Züchtung von Tieren, vor allem von Rindern. Man könnte annehmen, daß die Kunst der Tierzähmung und der Rinderzucht sich aus der Pflanzenbaukultur entwickelt habe. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die ältesten über die Domestikation von Haustieren erhältlichen Fakten sowie die ganze Struktur der Bodenbauerkulturen sprechen gegen diese Annahme. Die Kultur und die Geisteshaltung der Viehzüchter sind von denen der Ackerbauer grundverschieden. Die Tatsache, daß wir zuweilen auch heute in einigen Dorfgemeinschaften der Hackbauer Rudel gezähmter Tiere finden können, beweist durchaus nicht, daß diese Tiere dort gezüchtet worden sind. Sie sind meistens wild eingefangen und dann gezähmt worden.

Anders verhält es sich mit den Hühnern und Schweine, die nicht zu den Wandertieren gehören und deshalb eine Sonderstellung einnehmen. Die neolithischen Funde zeigen, wie wir schon sahen, daß Wildschweine und Wildvögel in beträchtlichen Mengen in Umzäunungen gehalten wurden, bis sie zur Nahrung dienten. Wo sich jedoch bei den Bodenbauern die Spuren einer regelrechten Tierzucht finden, ist diese von den Viehzüchtervölkern übernommen worden.

Der Hund ist als ältestes Haustier schon im Mesolithikum der Gefährte des Menschen gewesen. Sein Ahne war der Wolf. Der Hund ist schon während der Eiszeit bis nach Europa gekommen. In Amerika wurde er in bereits gezähmtem Zustande von den ersten sich dort niederlassenden Siedlern eingeführt.

Die Züchtung von Pferden, Rindern und Schafen entwickelte sich in denjenigen Erdgegenden, wo die wilden Spielarten dieser Tiere am häufigsten vorkamen. Das war vor allem auf den Hochplateaus innerhalb und nördlich der zentralasiatischen Hochgebirge, der Fall. Wahrscheinlich sind die Gebiete vom westlichen Türkestan bis zu den Hochplateaus von Tibet die Ursprungsgebiete der Rinderzucht gewesen, und in der Tat zeigt noch die heutige Methode der Jakzucht in Tibet alle Charakteristika einer sehr alten Hirtenkultur. Die älteste bekannte Spezies des gezähmten Rindes war eine langgehörnte Art, die auf die wilde Urform des asiatischen Auerochsen zurückgeht. Auch die Domestikation des Schafes und später der Ziege scheint sich in derselben Weltgegend ausgebildet zu haben.

Die Kultur der Pferde- und Kamelzüchter hat sich nördlich von den Gebieten der ersten Rinderzüchter im Altaigebirge und in den Kirgisen- und Barabassteppen entwickelt. Die weiteste Ausbreitung der Reittierzüchterkulturen als geschlossener Komplex ging im Westen bis zu den südostrussischen Steppen und dem Kaukasus, im Osten bis zur Gobi. Trotz der ursprünglichen Verwendung von Pferd und Kamel als Lasttieren und Milchquellen konnte jedoch auf dieser Basis keine selbständige Wirtschaftsform aufgebaut werden, da diese ihre Tiere oft nicht ernähren konnte. So finden wir die Reittierzüchter auch fast ausnahmslos mit den Wirtschaftsformen der Ernte-, Bodenbau- und Viehzüchtervölker gemischt.

Eine weltweite Verbreitung oftmals in relativ reiner Form haben jedoch die Viehzüchterkulturen erfahren, sei es nun in aktiver — durch Wanderung der Völker selbst —, sei es in passiver Form, indem nur ihre Wirtschafts- und Kulturform übernommen wurde. Archäologisch haben besonders die Ausgrabungen in Anau, die von Pumpelly beschrieben wurden, Licht auf die ältesten Viehzüchterkulturen geworfen. In Anau, einer Ruinenstadt in einer Oase bei Aschabad in Transkaspien, hat man fünfundvierzig Fuß tief fast rein die Überbleibsel einer Viehzüchterkultur gefunden, die etwa um 3500 v. d. Zr. anzusetzen ist. Gleichzeitig jedoch mit den Kulturelementen dieser ältesten datierbaren Viehzucht wurden die Gerste und der Weizen als Kulturpflanzen gefunden, die darauf hinweisen, daß wir es hier möglicherweise bereits mit einer Mischkultur zu tun haben., die Viehzucht als solche also noch älter sein kann.

Die Verbreitung der Viehzüchterkulturen in aktiven Wanderungen ist von ihren Ursitzen aus vornehmlich nach Süden erfolgt. Europa und Ostasien haben wohl das Prinzip der Rinderzüchtung übernommen, aber die Hirtenkultur als solche nicht. Als südlichste Vorposten der Viehzüchter in Asien sitzen in den Nilgiri-Bergen Südindiens bis auf den heutigen Tag die Toda, während der Hauptstrom ihrer Verbreitung nach Iran, Mesopotamien, Syrien und Afrika ging. In Afrika selbst haben sich von Nordosten herkommend die Hirtenvölker über Ägypten und in geringerer Stärke quer durch den Norden des Erdteils bis zu den Kanarischen Inseln ausgebreitet, sich hingegen in voller Kraft über Ostafrika, das tropische Zentralafrika vermeidend, bis tief nach Süden ergossen. Zuchttier war vor allem das Rind.

So steht in Afrika die Rinderzucht im Mittelpunkt der Wirtschaft, in Asien die Zucht des Schafes, Jaks und Rindes. Verwendet wurden vor allem Milch, Haare, Wolle und Dung, nicht so sehr das Fleisch, da in der Regel die Herde als Reichtum angesehen und nicht ohne zwingenden Grund durch Schlachtung vermindert wird. Die beiden Hauptzweige der Produktionswirtschaft, Bodenbau und Viehzucht, haben sich also an vielen Stellen der Erde wahrscheinlich aus der Wirtschaftsform der Erntevölker entwickelt. Ihr Zusammentreffen und ihre Vermischung haben auf weiten Gebieten der Erde stattgefunden. Aber nur in ihrer endgültigen Verschmelzung konnten sich alle Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Eroberung der Erde erfüllen. Dennoch hätte die wirtschaftliche Ausbeutung gewaltiger Gebiete ohne die Erfindung des Pfluges nicht erzielt werden können, und es wäre unmöglich gewesen, die stets anwachsenden Menschenmassen der Erdbevölkerung zu ernähren. Nur die Erfindung des Pfluges und die Zugkraft gezähmter Tiere — hauptsächlich Rinder und später Pferde — ermöglichte es dem Menschen, ausgedehnte Felder anzulegen und damit die Grundlage für eine wahrhaft produktive Form des Ackerbaues zu schaffen.

Mechanisch gesehen, ist der Pflug eine Kombination der Prinzipien der Hacke und einer besonderen aus dem Grabstock entwickelten Form des Spatens. Sein ältestes bekanntes Vorkommen geht bis auf das dritte Jahrtausend v. d. Zr. zurück. Die Bauernvölker der sogenannten bandkeramischen Kultur des Donaugebiets kannten bereits den Pflug, der zur selben Zeit schon von den Indogermanen benutzt wurde.

Die erste Herausbildung des Pfluges ist an einem Ort der Erde erfolgt, von wo er sich über weite Gebiete verbreitete. Höchstwahrscheinlich sind die Gegenden der vorderasiatischen Hochkulturen der Ursprungsort seiner Erfindung gewesen. Die ältesten Pflüge bestanden aus Holz. Selbst heute noch werden primitive Holzpflüge sogar in einigen europäischen Ländern verwendet.

Die häufig aufgestellte Annahme, daß die Erfindung des Rades oder der Karre irgend etwas mit der Erfindung oder dem Gebrauch des Pfluges zu tun gehabt hätte, ist irrig. Ursprünglich wurde der Pflug ohne Rad benutzt. Auch heute noch sind die Pflüge der Batak auf Sumatra und der Chinesen und Japaner nicht mit Rädern ausgestattet.

Den Indianern Amerikas war der Pflug unbekannt, wahrscheinlich aus dem Grunde, weil sie keine Zugtiere besaßen. In den amerikanischen Hochkulturen von Mexiko und Peru entwickelte sich die Wirtschaftsform des Bodenbaues zum Gartenbau und zur Anlage von terrassenartig aufsteigenden Feldern.

Die Hauptmerkmale der Pflugkultur sind die systematische Düngung des Bodens und die Entwicklung von komplizierten Bewässerungsanlagen. Nicht vor dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts ist die alte Form des Pfluges durch umwälzende Erfindungen modernisiert worden. Erst dann wurden die hölzernen Teile durch Eisen oder Stahl ersetzt, und mehrere Pflüge wurden zu einer Einheit zusammengesetzt. Noch später wurden dann mechanische Kräfte, wie Dampfmaschinen und Motoren zum Ziehen benutzt.

Damit endet die Geschichte von der Entstehung des Bodenbaues und der Viehzucht, der wichtigsten Faktoren, die es den Menschen überhaupt erst möglich machen, in stetig wachsender Zahl auf der Erde zu leben. Die Erfindungen der Viehzucht und des Pfluges haben die Völker, die die großen Getreidegebiete und Viehbestände der Erde besitzen, nicht nur in die Lage versetzt, sich selbst zu ernähren5sondern sie haben sie auch zu den Treuhändern für die wirtschaftlichen Bedürfnisse der gesamten Menschheit bestellt.

Quelle: VVV Volk und Buch Verlag Leipzig 1951, Vom Ursprung der Dinge; © by sykr jadu 2003


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